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Efeu - eine wertvolle Pflanze!

Untere Naturschutzbehörde und der Kreisnaturschutzbeauftragte warnen vor dem Entfernen von Efeu an alten Bäumen

Wenn das Grün der Bäume im Winter verschwunden ist, fällt es besonders auf: An vielen Stellen wurden zum Teil alte, mit Efeu bewachsene Stämme gekappt in der Annahme, damit dem Baum zu helfen. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, der Efeu sei ein Schmarotzer, der den Baum schädigt.

Diesem Vorurteil wollen die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Plön und der Naturschutzbeauftragte im Kreis Plön, Bernd Koop, entgegentreten.
Der Efeu versorgt sich durch sein eigenes Wurzelwerk mit Wasser und Nährstoffen aus dem Boden und nicht vom Baum. Er stranguliert durch sein netzartiges Wachstum die Bäume nicht, Efeu ist keine Würgfeige -wie in den Tropen vorkommend-, sondern nutzt die Stämme und Äste lediglich als Kletterhilfe. Mit seinen Haftwurzeln nutzt er die Borke nur zur Festheftung, dabei können die Haftwurzeln natürlich in bereits morsche Strukturen eindringen und diese in Ausnahmefällen auseinanderdrücken. Efeu überwächst gesunde Bäume auch nicht in der belaubten Krone, nur in seltenen Ausnahmen kann es zu Lichtkonkurrenz bei schwachen Trägerbäumen kommen.

Bei starker Sonneneinstrahlung im frostigen Winter schützt der Efeu durch die Beschattung Baumstämme vor Frostrissen und kann sogar den Trägerbaum stabilisieren.
Wenn Menschen abgestorbene Bäume mit Efeubewuchs sehen, wird dem Efeu sehr schnell unterstellt, dafür ursächlich zu sein. Nun sind sehr viele Ursachen für „Baumsterben“ bekannt, Efeubewuchs zählt hier ganz sicher nicht dazu.

Die falsch verstandene Hilfe des Efeuentfernens ist für die Bäume nicht notwendig, gerade alte Eichen leben z.T. seit Jahrhunderten mit dem Efeu zusammen. Auch der Efeu kann mehrere hundert Jahre alt werden. Für den Naturhaushalt und die Artenvielfalt unserer Landschaft ist diese Form von „Hilfe“  im Gegenteil sogar negativ, denn der Efeu stirbt durch diese Maßnahme und verliert damit auch seine ganz wichtigen ökologischen Funktionen:

  • späte Blüte: Kaum eine Pflanzenart blüht so spät und reichhaltig und bietet damit für zahlreiche Insekten eine Herbstnahrungsquelle von herausragender Bedeutung!
  • Beeren im Frühjahr: Als einziges Gehölz reifen die Beeren des Efeus erst im Februar und März und bieten dann für Singvögel  eine unverzichtbare Nahrungsquelle, wenn es im Frühjahr bei Kälte noch wenig alternative Nahrung wie Insekten gibt. Besonders Drosseln, Stare, Mönchsgrasmücken und Rotkehlchen nutzen diese Beeren und verbreiten die Samen mit ihrem Kot
  • Insekten im Winter: Im dichten „Lianengeflecht“ des Efeus leben/überwintern ganzjährig Spinnen und viele Insekten, selbst im Winter unter dem Schutz des Blätterdachs. Darauf sind z.B. Zaunkönig und Goldhähnchen ganzjährig angewiesen.
  • Sichtschutz für Brutvögel: Für frühe Bruten von Schwanzmeisen, Drosseln, Zaunkönig oder Baumläufern bietet nur der immergrüne Efeu den notwendigen Sicht-, Wind- und Wetterschutz, den andere Laubgehölze gar nicht bieten können, weil sie nicht ganzjährig Laub tragen. Ohne diesen Schutz sind die meisten dieser Bruten erfolglos. Selbst große Vögel, wie Waldohreulen finden in diesen Efeudickichten Brutmöglichkeiten, Nester größerer Vögel (Rabenkrähe, Ringeltaube) sind fast absturzsicher im Efeu, was für Nachnutzer wie Waldohreulen von besonderer Bedeutung ist.

Zusammengefasst: Efeu ist Lebensraum – seine Zerstörung ist Lebensraumzerstörung.

Der Kreisnaturschutzbeauftragte Bernd Koop dazu: „Freuen Sie sich an der Lebensvielfalt im Efeu rund um das Jahr: über viele Insekten wie Schmetterling und Schwebfliegen im September und Oktober,  über Singvögel wie Rotdrosseln im Winter und Frühjahr. Entfernen Sie niemals eigenmächtig Efeu von den Bäumen. Diese gut gemeinte Aktion ist schlichtweg nicht notwendig und fast immer sehr nachteilig!“
Zudem weist die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Plön darauf hin, dass das Entfernen von Efeu abseits des eigenen Gartens immer auch ein Eingriff in fremdes privates oder öffentliches Eigentum ist und auch naturschutzrechtlich als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld geahndet werden kann.

Kontakt

Rebekka Merholz »
Hamburger Str. 17-18
24306 Plön
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Telefon: +49 4522 743 470
Fax: +49 4522 743 95 470
E-Mail schreiben oder Formular
Jutta Klingler »
Hamburger Str. 17-18
24306 Plön
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Telefon: +49 4522 743 376
Fax: +49 4522 743 95 376
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