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Knicks in Schleswig-Holstein 

- Bedeutung, Pflege, Erhaltung -

Knicklandschaft

Knicks sind eigenständige, landschaftsprägende Elemente unserer schleswig-holsteinischen Heimat. Sie beherbergen eine charakteristische artenreiche Pflanzen- und Tierwelt, wirken durch ihre große biologische Vielfalt weit in die Landschaft hinein und beeinflussen den Landschaftshaushalt nachhaltig positiv. Die Knicks (freiwachsende Wallhecken) sind daher nach § 30 Abs. 2 Satz 2 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) i. V. m. § 21 Abs. 1 Nr. 4 des Schleswig-Holsteinischen Landesnaturschutzgesetzes (LNatSchG) geschützt. Sie dürfen nicht beschädigt und ohne Ausnahmegenehmigung durch die untere Landschaftspflegebehörde nicht beseitigt werden. Trotz des gesetzlichen Schutzes sind Erhalt und Pflege der Knicks in Schleswig-Holstein aus verschiedenen Gründen nicht ohne weiteres gesichert. Dieses Merkblatt soll daher die Besonderheiten des "Ökosystems Knick" beschreiben, die Probleme um die Knicks in unserer modernen Kulturlandschaft verdeutlichen und Wege zur dauerhaften Erhaltung und Pflege aufzeigen. "


HISTORISCHES

Vor der umfangreichen Agrarreform während des 18. und 19. Jahrhunderts bestand eine vielgestaltige Acker-, Weide- und Wiesenflur, die von Krattwäldern und Gebüschen durchsetzt war. Nachdem um 1770 durch die sogenannten Verkoppelungsgesetze die Feldgemeinschaften und der Flurzwang aufgehoben waren, wurden die Dorffluren und die Gemeindeweide vermessen. Jeder Bauer erhielt seinen eigenen Grund und Boden zugewiesen, den er ausdrücklich mit "lebendem Pathwerk" einzukoppeln hafte. Die Landschaft wandelte sich durch die Verkoppelung zu der für Schleswig-Holstein charakteristischen Knicklandschaft. Die vor der Agrarreform verstreuten Waldelemente, Kratts und Gebüsche wurden meist beseitigt und durch ein regelmäßig linear angeordnetes Knicknetz landschaftsökologisch weitgehend ersetzt.
Knickanlage im 18. Jahrhundert


NATURHAUSHALT, PFLANZEN, UND TIERE


Ökologisch gesehen besteht ein Knick gewissermaßen aus zwei zusammengerückten Waldrändern. Dieser Randlebensraum ist ein typischer Übergangsstandort. Es leben hier sowohl Pflanzen- und Tierarten der Wälder als auch des Freilandes; zusammen bilden sie neue stabile und besonders reichhaltige Lebensgemeinschaften. Unter Berücksichtigung der bodenkundlichen und klimatischen Verschiedenheiten kann man von Nordfriesland bis Lauenburg etwa 85 verschiedene Knicktypen aufgrund der Zusammensetzung der Pflanzenarten unterscheiden. Besonders reich an Pflanzen- und Tierarten ist der "alte Bunte Knick". Er entstand dadurch, dass bei seiner Anlage die in benachbarten Wäldern natürlich vorhandenen Gehölze entnommen und in bunter Reihenfolge auf den Wall gepflanzt wurden. Die Gehölzartenzusammensetzung im Knick ist aber auch geprägt von der alten Nutzungsform. Durch das regelmäßige "Knicken" wurde eine Auslese der Arten vorgenommen, die ein besonders gutes Stockausschlagvermögen besitzen, wie z. B. Hainbuche, Hasel und auch Esche. Außerdem wurden vielerorts Sträucher, die wie Weißdorn, Schlehe, Rosen und Brombeerarten mit Dornen oder Stacheln bewehrt sind, gefördert, weil das Weidevieh andere Gehölzarten verbiß.

Einartige Knicks, etwa die Teestrauch- oder die Fliederknicks auf der Geest und auch einartige Pflanzungen aus den eben erwähnten einheimischen Gehölzen ergänzen die Skala der Knicks. Die Vielfalt des Standortes wird noch dadurch erweitert, dass auf jedem einzelnen Knickabschnitt mehrere ökologisch verschiedene Bereiche vorhanden sind. An einem ost-west-verlaufenden charakteristischen Schlehen-Hasel-Knick des Östlichen Hügellandes sind beispielsweise von der sonnenbeschienenen Südseite bis hin zur halbschattigen Nordseite sechs verschiedene Kleinlebensräume zu unterscheiden.

Ein Beispiel für die Besonderheiten der Pflanzenwelt sind die Brombeeren. Jeder, der im Spätsommer Brombeeren ernten will, weiß, dass der Knick der beste Fundort im Lande ist. Die Botaniker unterscheiden in Schleswig-Holstein etwa 100 verschiedene Brombeerarten, von denen die meisten nur auf Knicks vorkommen. 10 dieser Arten sind weltweit nur von einzelnen Knickabschnitten in Schleswig-Holstein bekannt.

Der reichhaltigen Pflanzenwelt in den Knicks entspricht eine ebenso reich entwickelte Tierwelt. Hier kommen etwa 7.000 Tierarten vor. Ein einziger Knick im Östlichen Hügelland kann allein 1.600 -1.800 Tierarten enthalten. Charakteristische Wirbellose sind z. B. die Gebüsch-Schrecke oder der Stachelbeer-Spanner. Auffällig ist insbesondere die reiche Singvogelwelt. Die häufigsten Arten sind Dorngrasmücke, Heckenbraunelle und Goldammer. Im Durchschnitt brüten etwa 30 Vogelpaare in einem Kilometer Knicklänge; in einem Doppelknick - einem sogenannten Redder - kann die Brutpaardichte sogar bis auf das sechsfache steigen. Deshalb sollte neben den Einzelknicks auch eine angemessene Anzahl von Reddern (z. B. an Hohlwegen) für unsere Nachwelt erhalten werden.

Pfaffenhütchen



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