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Lärm

 

Was ist Lärm?

Zur natürlichen Umwelt des Menschen gehören Geräusche. Mit Hilfe ihrer Wahrnehmung orientiert sich der Mensch in seiner Umwelt, erkennt Gefahren, erhält Informationen und kontrolliert Tätigkeiten. Darüber hinaus dient die akustische Kommunikation seiner Persönlichkeitsentfaltung und der Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt. Geräusche wandeln sich zu Lärm, wenn sie als belästigend, als störend, als mit Handlungen oder Vorhaben negativ überlagernd erlebt und empfunden werden. Lärm ist unerwünschter Schall. Anderseits kann Lärm auch als jener Schall definiert werden, der Gesundheitsschäden hervorruft. Lärm kann zum Faktor werden der Stress bewirkt und bei längerer Einwirkung krankhafte Veränderungen auslösen.

 

Durch welche Geräusche fühlen sich Menschen am meisten beeinträchtigt?

Jährlich durchgeführte Beratungen zeigen, dass dies der Straßenverkehrslärm ist. In den neuen Bundesländern geben bis zu 80 Prozent der Personen an, durch Verkehrslärm beeinträchtigt oder stark beeinträchtigt zu sein. In den westlichen Bundesländern liegt die Zahl darunter, aber immer noch weit über 50 Prozent.

 

Inwieweit wirkt sich dieser Lärm auf die Gesundheit aus?

Wir wissen heute, dass insbesondere das Herz-Kreislaufsystem gefährdet ist, aber es mehren sich die Hinweise, dass auch das Immunsystem beeinflusst wird, d.h., dass durch die dauernde Belärmung die Abwehrmechanismen des Körpers geschwächt werden. Diese Ergebnisse sind allerdings noch in der wissenschaftlichen Diskussion, sie sind aber nicht auszuschließen.

 

Wirkungen beim Menschen

 

1. Aurale ( = zu den Ohren gehörende) Lärmwirkungen

Die Einwirkung von Lärm auf das Gehör kann je nach Dauer, Schallpegel und Impulscharakteristik unterschiedliche Folgen nach sich ziehen. Die schwächste Form der Schallwirkung auf das Gehör ist eine vorübergehende Hörminderung. Sie tritt oberhalb von 80 dB(A) auf. Bei seltener Belastung bzw. genügend Zeit zur Wiederherstellung ist diese Hörminderung komplett rückbildungsfähig.

Minderungen der Hörfähigkeit sind bei 24 Std. - Mittelungspegeln ab etwa 75 dB (A) bzw. Maximalpegeln ab etwa 120 dB (A) (am Ohr des Betroffenen) zu erwarten. Ist die Belastung zu hoch, die Einwirkdauer zu lang bzw. die Erholungszeit zu kurz, so stellt sich ein dauernder Gehörschaden ein, der normalerweise auf das Innenohr beschränkt ist. Charakteristisch für die lärmbedingte Hörschädigung ist die Ausbildung des stärksten Hörverlustes im Bereich von 4.000 Hz (sog. C 5-Senke). Lärmschäden des Ohres sind bereits seit 1929 in der Berufskrankheitenliste enthalten.

 

2. Extraaurale ( = nicht zu den Ohren gehörende) Lärmwirkungen

Lärm bes. Umweltlärm kann sich aber auch auf das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden auswirken oder zu Krankheiten führen. Hierzu zählen neben der Minderung der Hörfähigkeit, erhöhte Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen und Belästigungen als Folge von Kommunikations-, Reaktions- und Leistungsstörungen. Die Bewertung von Schallereignissen ist in der Regel stark subjektiv geprägt. Während die Minderung der Hörfähigkeit allein von den akustischen Eigenschaften der Geräusche (Pegel, Frequenz, Zeitstruktur) abhängt, werden die anderen Wirkungen durch nicht akustische Faktoren mitbestimmt (Informationsgehalt der Geräusche, Eigenschaften der Betroffenen wie Lärmempfindlichkeit, körperliche und seelische Verfassung, Einstellung zur Lärmquelle und Gewöhnung sowie situative Merkmale wie Zeit und Ort der Geräuscheinwirkung, Tätigkeit der Betroffenen und Vertrautheit).

Die hauptsächlichen Störbereiche sind Kommunikationsstörungen bei Unterhaltung, Telefonieren, Fernsehen, Radiohören. Diese Störung ist dann zu erwarten, wenn die Geräuscheinwirkung über längere Zeit besteht, ein Informationsdefizit eintritt, das Aufrechterhalten der Kommunikation Anstrengungen erfordert, so dass sich die an einer Kommunikation beteiligten Partner beeinträchtigt fühlen. Es sind weiter Störungen von Ruhe und Entspannung innerhalb und außerhalb des Hauses sowie Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Besonders kritisch sind nächtliche Lärmeinwirkungen zu beurteilen, da sie geeignet sind, Ein- und Durchschlafstörungen sowie vegetative (= dem Willen nicht unterliegende) Reaktionen unterhalb der Aufweckschwelle zu verursachen. Zu erwarten sind schlafstörungen bereits bei Mittelungspegeln von 40 dB (A) (außen) bzw. 25 - 30 dB (A) (innen). Auftreten können weiter Konzentrationsschwierigkeiten, erschwertes Lesen und Nachdenken. Z.B. treten bei Lärmpegeln ab 50 dB(A) im Außenbereich vermehrt Leistungsstörungen bei der geistigen Tätigkeit und Kommunikationsstörungen auf. Klagen über Vibrationserscheinungen (z.B. durch LKW) oder Angst-Furcht-Assoziationen (z.B. bei tiefen Überflügen) werden als extraaurale Hörbereiche beschrieben.

Biochemische und physiologische Stressreaktionen, zu denen Änderungen des Hormonhaushaltes, Beeinträchtigung der Großhirnfunktion, reflexartige Änderungen der Muskelspannung, der Pupillenweite, der Atmungs- und Herzfrequenz sowie des Blutdrucks gehören, treten bereits ab Schallpegeln von 60 - 70 dB (A) auf. Diese Stressreaktionen sind zusammen mit anderen Belastungsgrößen vor allem als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen anzusehen. Bei Verkehrslärmpegeln im Außenwohnbereich von 65 - 70 dB (A) kann dabei von einem um ca. 20 % erhöhten Herzinfarktrisiko ausgegangen werden.

Mit zunehmenden Belästigungen und Beeinträchtigungen des seelischen und sozialen Wohlbefindens ist ab folgenden Mittelungspegeln zu rechnen:

 

außen:

tags

50 - 55 dB (A)

 

nachts

35 - 45 dB (A)

innen:

tags

30 - 35 dB (A)

 

nachts 

5 - 30 dB (A)

 

Als Risikogruppen für Lärmbeeinträchtigungen gelten vor allem Schwangere, Kinder, alte Menschen, Kranke und Rekonvaleszenten, wobei Hypertoniker und blutdrucklabile Menschen  überdurchschnittlich gefährdet sind.

 

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